Literaturkonzert mit Roman Knižka und OPUS 45
"Ich wand're durch Theresienstadt"

Eine musikalische Lesung über Verfolgung, Widerstand und Hoffnung mit Werken von Viktor Ullmann, Pavel Haas, Gideon Klein u.a.
Eintritt frei. Die Anzahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Karten sind kostenlos über die Buchhandlung am Rathaus, die Buchhandlung "Lesen & Hören" sowie den Studienservice der FernUniversität in Hagen erhältlich. Einlass nur mit Eintrittskarte möglich.
„Ich wand’re durch Theresienstadt …“ – der Titel geht auf einen Text der deutschsprachigen jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber zurück. 1942 wurde sie von Prag in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort arbeitete sie als Kinderkrankenschwester und schrieb weiter Gedichte und Lieder. Im Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
1941 errichtete die SS in der böhmischen Festungsstadt Terezín das Ghetto Theresienstadt. Rund 150.000 Jüdinnen und Juden aus vielen europäischen Ländern wurden dort bis 1945 gefangen gehalten. Hunger, Zwangsarbeit, Krankheit und die ständige Angst vor Deportationen bestimmten den Alltag. Für viele war Theresienstadt nur eine Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager. Und doch entstand unter den Gefangenen ein außergewöhnlich vielfältiges kulturelles Leben. Es gab Vorträge, Theater, Kabarett, Jazz und Kammermusik. Die Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása wurde immer wieder aufgeführt; Raphael Schächter brachte mit einem Chor aus Gefangenen Verdis „Messa da Requiem“ zur Aufführung. Kunst wurde zu einem Raum der Erinnerung, der Würde und der Selbstbehauptung – und zugleich von der SS zynisch für Propagandazwecke missbraucht.
Roman Knižka und OPUS 45 erinnern in ihrer musikalischen Lesung an das Leid, die Hoffnungen und die künstlerische Selbstbehauptung der in Theresienstadt inhaftierten Menschen. Roman Knižka liest aus Erinnerungen von Ruth Klüger, Zvi Cohen, Jana Renée Friesová, Helga Hošková-Weissová, Hannelore Brenner-Wonschick und Gerty Spies. Gedichte und Texte von Kindern und Jugendlichen kommen ebenso zu Gehör wie die Lyrik Ilse Webers. Das Bläserquintett OPUS 45 stellt diesen Stimmen Musik gegenüber: Werke von Giuseppe Verdi und Bedřich Smetana ebenso wie Kompositionen von Pavel Haas, Hans Krása, Viktor Ullmann und Gideon Klein. Viele dieser Künstler wurden in Theresienstadt inhaftiert und später von den Nationalsozialisten ermordet; ihre Werke gerieten nach 1945 lange in Vergessenheit.
So verbinden sich Wort und Musik zu einer eindringlichen Erinnerung an Menschen, deren Stimmen ausgelöscht werden sollten – und zu der Frage, welche Kraft Kunst und Menschlichkeit selbst unter den Bedingungen radikaler Entrechtung entfalten können.
Ausgezeichnet mit dem Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Auschwitz-Komitee
