Emil Schumacher

Indemini – „Der Erde näher als den Sternen“

13. September 2026–6. Dezember 2026

Mit „Indemini“ ist dem Emil Schumacher Museum eine außergewöhnliche Neuerwerbung gelungen. Das monumentale Gemälde aus dem Jahr 1974 zählt mit fast drei Metern Höhe zu den vier größten Leinwänden Emil Schumachers (1912–1999) und gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen seines experimentellen Umgangs mit Material. Jahrzehntelang befand sich das Werk als Dauerleihgabe im Saarlandmuseum in Saarbrücken. Im vergangenen Winter konnte die Emil Schumacher Stiftung „Indemini“ aus Privatbesitz erwerben und so dauerhaft für die Öffentlichkeit sichern.

Die Ausstellung „Emil Schumacher – Indemini. Der Erde näher als den Sternen“ rückt die Neuerwerbung in den Mittelpunkt einer umfassenden Präsentation zur Materialität in Schumachers Werk. Nach einer Reihe von Ausstellungen zu seinem künstlerischen Umfeld widmet das Museum seinem Namensgeber damit erstmals seit fünf Jahren wieder eine große monografische Werkschau.

Seit Mitte der 1950er-Jahre lotete Schumacher die Grenzen der Malerei immer wieder neu aus. Farbe wurde pastos aufgetragen, der Malgrund selbst in den Arbeitsprozess einbezogen, Materialien wie Nägel, Sisal, Papier, Blätter oder andere Fundstücke fanden Eingang in Bilder und Objekte. Oberfläche, Struktur und Widerstand wurden zu bildnerischen Kräften. Auch Farbe verstand Schumacher nicht allein optisch, sondern in ihrer körperlichen, haptischen Qualität.

„Indemini“ führt diese Haltung in monumentalem Maßstab vor Augen. Acryl und Asphalt auf Leinwand verbinden sich zu einer ebenso archaischen wie kraftvollen Bildwelt. Dunkle, körperhaft wirkende Materialspuren lassen das Gemälde beinahe in den Raum treten. Das Bild erscheint als Ergebnis eines unmittelbaren Arbeitsprozesses, in dem Material aufgetragen, überlagert und verändert wird.

Eine wichtige Rolle spielt dabei das Unvorhergesehene. Schumacher verstand den Zufall im künstlerischen Prozess durchaus wörtlich als etwas, das ihm „zufiel“ und das er für die weitere Entwicklung eines Bildes aufnehmen konnte. Künstlerische Entscheidung und Offenheit gegenüber dem Material greifen so ineinander.

Besondere Einblicke in diesen Arbeitsprozess ermöglicht bislang unveröffentlichtes Filmmaterial aus dem Familienbesitz. Der Super-8-Film aus den späten 1960er-Jahren wurde für die Ausstellung neu digitalisiert und wird erstmals öffentlich gezeigt. Die Aufnahmen zeigen Schumacher unter anderem bei der Entstehung seiner Werke mit Blei, die ebenfalls aus den späten 1960er-Jahren stammen und gemeinsam mit dem Film präsentiert werden. Ähnlich wie bei den großen Bogenbildern, in denen Papier großflächig auf Leinwand in den malerischen Prozess einbezogen wird, macht Schumacher auch das Blei selbst zum Bestandteil der Bildentstehung.

Der Titel „Der Erde näher als den Sternen“ stammt von einem der sieben Aphorismen, in denen Emil Schumacher selbst über seine Kunst nachdachte. Die Formulierung verweist auf eine Malerei, die bei aller Freiheit der Abstraktion an die konkrete Welt der Stoffe und Dinge gebunden bleibt. Natürliche und erdverbundene Materialien, raue Oberflächen und eine häufig von Braun- und Erdtönen bestimmte Farbigkeit verleihen vielen seiner Werke eine elementare Präsenz.

Die Ausstellung führt Gemälde, Arbeiten auf Papier, Materialobjekte und Keramiken aus verschiedenen Schaffensphasen zusammen. „Indemini“ bildet ihren monumentalen Mittelpunkt und verdichtet eine Haltung, die Schumachers gesamtes Œuvre prägt: Malerei als physischer Prozess und als Begegnung von künstlerischer Entscheidung, Material und Unvorhergesehenem.

Emil Schumacher, Indemini, 1974, Acryl und Asphalt auf Rupfen, 289,5 x 195,5 cm, Emil Schumacher Museum, Hagen, Foto: Ketterer Kunst © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Emil Schumacher, K-48/1974, 1974, Keramik, 62 x 79,5 cm, Emil Schumacher Museum, Hagen. Foto: Emil Schumacher Museum/Ralf Cohen, Karlsruhe. © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Emil Schumacher, Gula, 1987, Öl auf Holz, 170 x 125 cm, Emil Schumacher Museum, Hagen. Foto: Emil Schumacher Museum/Joachim Schwingel, Hagen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Emil Schumacher, Atlanta, 1987, Öl auf Holz, 170 x 125 cm, Emil Schumacher Museum, Hagen. Foto: Emil Schumacher Museum/Ralf Cohen, Karlsruhe. © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Emil Schumacher, Sodom, 1957, Öl auf Leinwand, 132 x 170,5 cm, Osthaus Museum Hagen. Foto: Emil Schumacher Museum/Joachim Schwingel, Hagen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2026