Emil Schumacher

Woyzeck und Mephisto – Theaterillustrationen der 1940er Jahre

22. November 2011 –
29. April 2012
Schwarz-weiße Linienzeichnung von Emil Schumacher als Illustration zu Goethes Faust. Zwei Figuren stehen eng beieinander, eine davon mit teuflischen Hörnern und spitzem Kinn, die andere mit langen Haaren und einem bodenlangen Kleid. Die Figur mit Hörnern legt den Arm um die andere Person. Im Hintergrund fällt der Schatten beider Figuren auf eine schraffierte Fläche.

Schumacher illustrierte im Umfeld der von ihm mitbegründeten Künstlergruppe "junger westen" ab 1949 für das Programm der Ruhrfestspiele in Recklinghausen Szenen aus Theaterstücken, etwa von William Shakespear, Johann Wolfgang von Goethe, Georg Büchner, Kurt Joss oder William Saroyan.

Die frühen, figürlichen Illustrationen entsprechen der damaligen nachexpressionistischen Malweise Emil Schumachers. Gegen Ende der 1940er-Jahre entstanden, sind die Illustrationen nicht repräsentativ für das Gesamtwerk des Künstlers. Vielmehr stehen sie für die frühe, kurze Schaffensperiode, in welcher der Maler und Grafiker nach Ende des Zweiten Weltkrieges als freier Künstler wieder aktiv nach der Entwicklung eines eigenen Stils suchte. Als Zeichner prägnanter Szenen, als Interpret literarischer Vorlagen, die dieser zunächst intellektuell erfasst, um sie dann in der eigenen Kunst umzusetzen, zeigt Schumacher in den Illustrationen für Literatur und Theater seine voll ausgeprägten künstlerischen Fähigkeiten. Die folgenden Entwicklungen im Gesamtschaffen basieren nicht zuletzt auf der zeichnerischen Sicherheit, die sich hier zeigt.

Illustration zu Goethes 'Faust', 1949
Tuschzeichnung auf Röntgenfolie
27,8 × 19,7 cm
Emil Schumacher Museum, Hagen

Emil Schumacher entwickelte seinen Malstil seit Ende der 1940er-Jahre zunächst hin zur Abstraktion des so genannten Informell der 1950er-Jahre, mit dem er früh seinen internationalen Durchbruch auch in den USA erreichte. Konsequent und in ganz eigener, intensiver Ausdruckskraft verfolgte er seinen Weg und gelangte zu einem persönlichen Stil, der durch den experimentellen Umgang mit Farbe und Material sowie die Verbindung von Abstraktion und Gegenständlichkeit gekennzeichnet ist. Vor diesem Hintergrund nehmen die figürlichen Tuschezeichnungen auf Röntgenfilmfolie eine besonders interessante Position im Gesamtwerk Schumachers ein, die in der Ausstellung zum ersten Mal präsentiert werden.

Die Ausstellung ist zugleich ein Gruß des Emil Schumacher Museums an das Theater Hagen, dass in diesem Jahr seine 100. Spielzeit feiert.