Benedikt Hipp
Songs from the Orbs
13. September 2026–17. Januar 2027
Mit „Benedikt Hipp – Songs from the Orbs“ widmet das Emil Schumacher Museum einem der profiliertesten Künstler seiner Generation eine Einzelausstellung. Benedikt Hipp (*1977) arbeitet zwischen Malerei, Skulptur und Installation. Im Zentrum seines Werks stehen grundlegende Fragen nach Körperlichkeit und Wahrnehmung, nach Materie und Veränderung sowie nach der Beziehung von Mensch, Raum und Umwelt.
Sein Interesse richtet sich insbesondere auf die Entstehung emergenter Körper und Gebilde, in denen sich Prozesse des Wandels, der Wahrnehmung und der materiellen Transformation verdichten. Der menschliche Körper erscheint dabei selten als geschlossene Gestalt. Körperfragmente und anthropomorphe Formen verbinden sich in Hipps Malerei mit abstrakten, organischen oder mineralisch anmutenden Strukturen. Vertrautes kippt ins Unbestimmte, Gegenständliches in Abstraktion. Kulturelle Überlieferungen treffen auf Naturwissenschaft und Technologie. Hipp entwirft dabei keine eindeutig lesbaren Bildwelten, sondern offene Konstellationen, in denen sich Körper und Objekt, Natur und Kultur oder Vergangenheit und Gegenwart überlagern oder neu konstituieren.
Eine zentrale Rolle spielt das Material selbst. Neben der Malerei hat Hipp insbesondere die Keramik zu einem wichtigen Feld seiner Arbeit entwickelt. Seine Skulpturen entstehen in mehrtägigen Hochtemperatur-Holzbränden bei Temperaturen von bis zu 1400 Grad Celsius. Ton, Feuer, Asche und Zeit wirken unmittelbar auf ihre Gestalt und Oberfläche ein. Der Künstler setzt den Prozess in Gang und steuert ihn, überlässt dem Material und dem Brand jedoch zugleich einen Anteil am Ergebnis. Das Unvorhergesehene wird so zu einem produktiven und kollaborativen Bestandteil des Entstehungsprozesses.
Der Titel „Songs from the Orbs“ geht auf eine zwischen 2021 und 2025 entstandene Arbeit zurück, in der Hipp Keramik und Video miteinander verbindet. Ausgangspunkt sind keramische Körper, die an Meteoriten oder andere Himmelskörper erinnern. Damit greift Hipp auch die Hypothese der Panspermie auf: die Vorstellung, dass grundlegende Bausteine des Lebens durch Meteoriten oder andere kosmische Körper auf die Erde gelangt sein könnten. Der Blick in den Kosmos führt so unmittelbar zurück zur Materie – und zur Frage nach dem Ursprung des Lebens auf der Erde.
Für Hipp besitzt der Holzbrand selbst eine vergleichbare Dimension. Nach einem Brand erschien ihm der geöffnete Ofen wie der „Technikraum einer Zeitmaschine“, in dem die Grenzen von Vergangenheit und Zukunft aufgehoben seien. Die im Feuer verwandelten keramischen Körper werden so zu Trägern unterschiedlicher Vorstellungen von Zeit: geologischer, kosmischer und menschlicher Zeit.
Seit vielen Jahren bezieht Hipp auch den Ausstellungsraum in seine Arbeit ein. Bilder, Skulpturen und ihre Präsentation bilden räumliche Zusammenhänge, die den Blick auf das einzelne Werk verändern. Für Hagen entwickelt der Künstler deshalb eine eigens auf das Emil Schumacher Museum als klassisches Ausstellungshaus abgestimmte Inszenierung.
Unmittelbar benachbart ist die gleichzeitig eröffnete Ausstellung „Emil Schumacher – Indemini. Der Erde näher als den Sternen“. Beide Präsentationen folgen ihrer jeweiligen künstlerischen Logik, lassen aber überraschende Berührungspunkte sichtbar werden. Material und Zufall, künstlerische Setzung und Eigendynamik des Entstehungsprozesses spielen bei beiden Künstlern eine zentrale Rolle. Auch die sichtbare Welt bleibt in ihrer Abstraktion als Spur gegenwärtig. So treffen zwei Künstler unterschiedlicher Generationen aufeinander, die aus den Bedingungen ihrer jeweiligen Zeit eigenständige Antworten auf verwandte Fragen entwickeln.
Benedikt Hipp (*1977) studierte an den Akademien der Bildenden Künste in Nürnberg und München sowie an der Accademia di Belle Arti in Bologna. 2007 schloss er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Sean Scully ab. 2020/21 war er Stipendiat der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen institutionellen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.
Benedikt Hipp, Songs from the Orbs, 2021-2025, Keramik, wilder Ton, Hochtemperatur-Holzbrand, Ascheanflug, Mikrometeorit, Video loop, 1300 °C/65 h, 80 x 157 x 70 cm. Courtesy: Galerie Kadel Willborn, Düsseldorf. Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Akademie Villa Massimo, Rom. Foto: Max Reitmeier. © Benedikt Hipp
Benedikt Hipp, Mega Grid at 6500 Kelvin, 2026, Öl und Firnis auf HDF, 240 x 177 x 8 cm, Courtesy: Galerie Kadel Willborn, Düsseldorf. Foto: Studio Benedikt Hipp © Benedikt Hipp
Benedikt Hipp, AEON BFbl00, 2023, Keramik, natürlicher Ascheanflug, Hochtemperatur-Holzbrand, 1250 °C/44 h, 53 x 30 x 22 cm, Courtesy: Monitor Gallery, Rom. Foto: Giorgio Benni © Benedikt Hipp
Benedikt Hipp, Emergente Eigenschaften sind unvorhersehbar, 2023, Öl und Firnis auf HDF, 188 x 139 x 6,5 cm, Courtesy: Nicolas Krupp, Basel. Foto: Serge Hasenböhler
© Benedikt Hipp
Benedikt Hipp, Songs from the Orbs (Detail), 2021-2025, Keramik, wilder Ton, Hochtemperatur-Holzbrand, Ascheanflug, Mikrometeorit, Video loop, 1300 °C/65 h, 80 x 157 x 70 cm. Courtesy: Galerie Kadel Willborn, Düsseldorf. Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Akademie Villa Massimo, Rom. Foto: Max Reitmeier. © Benedikt Hipp
Benedikt Hipp, AEON 5BFRyu, 2025, Keramik, wilder Ton, Shino, natürlicher Ascheanflug, Vulkanasche, Hochtemperatur-Holzbrand, 1320 °C/68 h, 28 x 31 x 27 cm, Courtesy: Galerie Kadel Willborn, Düsseldorf. Foto: Studio Benedikt Hipp © Benedikt Hipp